Als wir morgens aufwachten erschien es uns wie ein Wunder: Es regnete nicht! Auch nicht ein bißchen, nein es regnete gar nicht!
Dafür genossen wir bei unserer Morgentoilette den wunderbaren Blick auf den wolkenverhangenen Alftavátn umgeben von Bergen. Ich war richtig traurig, diesen Ort verlassen zu müssen.
Alftavátn am Morgen
An diesem Tag lag die längste unserer Wanderetappen vor uns als auch die Überquerung des Thröngá-Flusses. Allerdings sollte diese Etappe auch eine der leichteren sein. Wir benötigten wieder einge ganze Weile um uns in unsere Wandermontur zu schmeißen und machten uns relativ zeitig auf den Weg. Nach einigen Minuten bemerkten wir, dass wir unsere Wanderstöcke vergessen hatten und da ich bereits den Verlust meines Handtuches zu beklagen hatte (ich hatte es in der Hütte auf dem Berg vergessen) wollten wir nicht auch noch die Wanderstöcke ihrem Schicksal überlassen und gingen die paar Meter wieder zurück. (Naja außerdem waren es Mamas NordicWalking Stöcke…)
Weil der Morgen auch so schön begonnen hatte, sollte es gleich mit der ersten Flussüberquerung nach 10 Minuten Laufen weitergehen. Gut dass wir uns schön mit Gamaschen und allem drum und dran angezogen hatten. Andreas war ein wenig zu bequem und suchte wieder nach einer anderen Lösung. Also holte er von gaaaaaaanz weit her ein mit Wasser vollgesogenes Brett, um es als Brücke zu benutzen. Ganz schön schwer son Ding. In der Zwischenzeit hatte ich meine Schuhe ausgezogen und meine 1a-Wasserüberquerungs-Neopren-Schuhe übergestülpt. Nach uns kam die Männer-Wander-Truppe vom Vortag und die waren ein bißchen traurig, dass die Brücke für sie nicht mehr nutzbar war… Aber letztendlich hatten sie ein Einsehen und merkten auch, dass Schuhe ausziehen die bessere Alternative darstellte. Inzwischen waren wir alle schon eine richtige kleine Wandergemeinschaft, man sah sich abends in den Hütten und tagsüber überholte man die ein oder anderen. Naja ich gebs zu: eigentlich wurden wir meistens überholt
.
Furten eines Flusses Andis Weg
Nach einer weiteren kleinen Flußüberquerung ging es an wunderschönen grünen Hügeln entlang, immer mit Blick auf den Gletscher am Horizont. Das Wetter war an diesem Tag wunderschön, die ganze Zeit schien die Sonne und es war fast warm. Nach ca. 3-4 km erreichte wir die nächste Wanderhütte die am Fuße eines Berges inmitten von Lavafeldern lag, auch sehr schön abgeschieden und ruhig und eine wirklich nette Alternative zu der Hütte in Alftavátn. Und inmitten der ganzen Lava entdeckte ich doch tatsächlich die ersten Blümchen.
Die andere Flussüberquerung
Blümchen in der Lava
Andi und die Stirnfalte
Jeep-Piste
Der Weg war nun recht einfach zu laufen, wir überquerten sogar eine richtig echte Brücke, auch so etwas gibt es in Island. Wir kamen schnell voran und näherten uns dem Höhepunkt des Tages, der Überquerung der Thröngá. Die Thröngá ist ein reissender Gletscherfluss und von anderen hatten wir ja bereits erfahren, dass die Überquerung teilweise nur sehr schwer, mit Jeep oder auch gar nicht möglich war. Also gingen wir mit gehörigem Respekt an die Sache und erinnerten uns an all die guten Ratschläge:
- den Fluss an der breitesten Stelle überqueren (da ist die Strömung am geringsten)
- die wichtigen Sachen im Rucksack nach oben packen (das machte ich mit meinem Schlafsack)
- nicht gegen die Strömung ankämpfen sondern mit ihr gehen
- den Hüftgurt des Rucksackes öffnen, damit man im Fall der Fälle nicht mit dem Gepäck untergeht
- vorsichtige kleine Schritte machen um sich die Füße nicht an den Steinen zu verletzen
Ich muss schon sagen, ich war mehr als froh, dass wir die Wanderstöcke nicht vergessen hatten, denn die Strömung war stark und wir standen bis zur Hüfte in eiskaltem Gletscherwasser, das war trübe und man konnte nicht sehen, wohin man trat. Die Strömung hob mich teilweise mit beiden Füßen vom Boden ab und glücklicherweise bot mir der Stock guten Halt. Und so waren wir beide glücklich und stolz, diese Hürde gemeistert zu haben.
Richtige, echte Brücke
Da fahren die Jeeps durch die Thröngá
Flussüberquerung Thröngá
An dieser Stelle trafen wir wieder mehrere Mitwanderer, die beiden Schweizerinnen und auch die beiden Christian und Markus, mit denen wir uns bereits am Vorabend in Alftavátn nett unterhalten hatten. Gemeinsam genossen wir erstmal eine schöne Tasse Kaffee und andere Leckereien wie Apfel, Corny und Schwedisch Brot oder wie das heisst.
Langsam zog sich die Wolkendecke wieder ein wenig zu, so dass wir beschlossen, zügig unseren Weg fortzusetzen um etwaigen Regenschauern zu entkommen. Der Rest des Weges führte uns durch die sogenannte schwarze Wüste und das war es auch: schwarz, sandig und gottseidank! nicht windig. Dafür war der Weg fast eben und wir hatten keine Steigungen mehr zu bezwingen und mir fing an, das Laufen wirklich Spass zu machen. Wir waren nun gemeinsam mit Christian und Markus unterwegs und machten ausschließlich zum Fotografieren Pause. Einige meinten ja, dass sei nur eine Ausrede, aber ich weiss es besser!
Fotos Emstrur schwarze Wüste
Die Landschaft war auch an diesem Tag sehr beeindruckend und kein bißchen langweilig. Im Rücken hatten wir die wunderbaren sonnenbeschienenen Berge und vor uns lag eine weite schwarze Wüste mit Felsformationen und großen Felsbrocken. Die Wolkendecke wurde nun immer dichter und unsere Hoffnung, einen Tag mal nicht durchnässt in der Hütte anzukommen, schien sich auch heute nicht zu erfüllen. 3-4 km vor unserem Tagesziel prasselte der Regen gnadenlos auf uns ein, eine halbe Stunde lang. Mir tat inzwischen leider wieder meine Schulter weh und nach dem Regenguss machten wir nochmal eine Pause. Danach wollte ich so schnell wir möglich ankommen.
Andis kluges GPS Gerät sagte uns, dass wir nicht mal mehr einen Kilometer bis zum Ziel hatten, aber nachdem wir 20 Minuten unterwegs waren, hatte ich das Gefühl, das Ding verscheißert uns ein bißchen. Tatsächlich maß das GPS die Luftlinie und wir mussten um einen Hügel herumwandern, was die Strecke um einiges verlängerte. Doch dann sahen wir in einer Senke gelegen die Hütte in der bekannten grünen Farbe.
Emstrur-Hütte mit Gletscher
Abends wollten wir uns dann noch den Canyon in der Nähe anschauen, da wir alle noch frohen Mutes waren, jedoch begann es wieder zu regnen und so entschlossen wir uns, diesen kleinen Abstecher am nächsten Morgen zu unternehmen. In der Hütte waren wir wieder gemeinsam mit Christian und Markus, dem amerikanischen Ehepaar, den 2 Schweizerinnen, einem belgischen Paar und 2 Italienern. Abends brachte uns der Warden (diesmal eine Frau) den Wetterbericht und sie sagte, dass wir am nächsten Tag mit Schnee zu rechnen hätten. Glücklicherweise traf das nur auf diejenigen zu, die die Strecke in die andere Richtung liefen. Da hatten wir wohl noch einmal Glück gehabt































Seeeeeehr schöne Fotos von Island! Echt coole Ideen. Hab mich ja lange nicht gemeldet aber immer wieder gelesen und Deine Fotos genossen =).
Gruß
Jan
Hallo Jan,
vielen lieben Dank für den Kommentar. Leider komme ich im Moment kaum dazu, meinen Blog zu aktualisieren, geschweige denn zu fotografieren. Ich hoffe das ändert sich bald und du bleibst meinem Blog trotzdem treu