Von Landmannalaugar nach Hrafntinnusker

Wer “Hrafntinnusker” richtig ausspricht bekommt nen Keks von mir :)

Am 2. Tag des Laugarvegur sind wir zeitig aufgestanden, haben lecker Knäcke mit Salami gegessen und wollten uns gegen 9:00 Uhr auf den Weg machen. Es hatte die ganze Nacht hindurch geregnet, aber es war wie ein kleines Wunder: Morgens regnete es nur ein bißchen. So schmissen wir uns voller Enthusiasmus in unsere Outdoor-Halb-Regen-Outfits (das dauerte ca. 30 min) und machten uns auf, die erste (und laut Reiseführer auch anspruchsvollste) Etappe des Laugavegur zu bezwingen.

Coolest Outfits ever :)

andi in his coolest outfit ever

Me in my coolest outfit ever

Diesen Tag standen uns 600 Höhenmeter bevor, aber zunächst ging es durch eindrucksvolle Lavafelder. Alles war mit Moos übersät, interessante Felsformationen und nicht zuletzt die bunten Ryolith-Berge von Landmannalaugar zeigten uns, dass wir uns in einer ganz besonderen Umgebung befanden.

Fotos Lavafelder

Lava-fields

lava-fields

Nachdem wir die Lavafelder passiert hatten, ging es wieder ein Stück bergauf, seitlich rauchte und zischte es und der wirklich strenge Geruch machte uns mehrmals darauf aufmerksam, dass wir uns hier inmitten von heißen Bächen und Schwefelfeldern befanden. Wir haben unterwegs ein Bächlein gesehen, in dem das Wasser gekocht hat, sehr beeindruckend!

Ich und der Dampf

steam and me

Schwefel

Langsam wurde das Wetter immer ungemütlicher, es regnete immer mehr und der Wind blies uns stärker um die Ohren. Wir kamen über einen Bergkamm und hier war es kaum möglich, geradeaus zu gehen: der starke Wind trieb mich immer vom Weg ab, man musste richtig dagegen ankämpfen und meine Laune sank von Minute zu Minute mehr.

Leider wurde das Wetter nicht besser und zusätzlich mussten wir uns nun über einige Altschneefelder wagen. Die Schneefelder sind zu dieser Jahreszeit bereits sehr dünn und meist von kleinen Flüssen unterspült, aber Andi meinte, dass uns die Alpin-Erfahrungen, die wir hier sammelten, irgendwann zugute kämen. Ich hatte nur nicht geahnt, dass dies schon am nächsten Tag passieren würde :)

Hier liegt der alte Schnee

Snowfields on the way to Hrafntinnusker

Mein Objektiv macht schlapp und ist nass, aber Schnee im August muss einfach festgehalten werden…

picture with damaged lens

Inzwischen kam zusätzlich zum starken Regen, den niedrigen Temperaturen (ich schätz mal, auf dem Berg hatten wir so um die 5°C) und den Sturmböen Nebel hinzu. Glücklicherweise waren die Pfähle, die unseren Weg markierten, so nah, dass wir immer den nächsten erkennen konnten. Wir mussten auch sehr auf unsere Schritte achten, da wir inzwischen eine Art Geröllwüste durchquerten. In diesen Momenten war mir nicht so sehr nach Fotografieren, ich wollte einfach nur zur nächsten Hütte, die wir dann auch gegen halb 3 erreichten. Ich war wirklich glücklich :).

Die Hütte in Hrafntinnusker war nicht ganz so gemütlich wie in Landmannalaugar, auch gab es hier keine Duschen und ein Plumpsklo. Wir lernten am Nachmittag einen anderen deutschen Wanderer kennen, der den Laugavegur in umgekehrter Richtung absolvierte und uns die abenteuerlichsten Geschichten von schwierigen Flussüberquerungen erzählte, die uns noch erwarteten. An diesem Abend hatte ich wirklich schon darüber nachgedacht, ob wir am nächsten Tag nicht den Rückweg nach Landmannalaugar antreten sollten, aber glücklicherweise entschieden wir uns dagegen.

Den Abend verbrachte wir mit Kekse essen, mit Mike über seine Arbeit bei Globetrotter zu reden, die Sinnhaftigkeit von Regenhosen einzugestehen und zu hoffen, dass meine Objektive sich wieder von den anstrengenden Klimaverhältnissen erholten.

Fortsetzung folgt…



5 Responses to “Von Landmannalaugar nach Hrafntinnusker”


  1. 1 Andreas

    … das war wirklich vom Wetter her kein schöner Start für unsere Wanderung. Und auch meine Laune wollte sich nicht so richtig auf “genieße den Urlaub” einstellen. Aber wenn ich mir im Nachhinein noch einmal die Bilder anschaue und mir den sehr nett geschriebenen Bericht durchlese, muss ich sagen, das Wetter hätte noch schlimmer sein können und wir haben ja nicht aufgegeben :)

    Ich freu mich schon auf die nächsten Beiträge!

    P.S. das mit der immer schlechter werdenden Laune war ähnlich anstrengend wie das Wetter ;)

  2. 2 jeannine

    Also meinetwegen hätte das Wetter nicht schlimmer sein dürfen :) Und nein wir haben nicht aufgegeben :D
    Und das mit der Laune… Die wurde ja dann auch irgendwann besser ;)

  3. 3 Judith

    Sieht schon etwas nach einem kniffligen Start aus - gut, dass ihr nicht aufgegeben habt! Ich denke, solche “Grenzerfahrungen” machen es im Nachhinein nochmal extra zu etwas Besonderem. Was macht einen schon glücklicher als erfolgreiche Selbstüberwindung. ;)

    Ich glaube, das mit der schlechten Laune ist insbesondere angesichts der beschlagenen Objektive zu verzeihen, da wäre mir das Herz in die Hose gerutscht! Gut, dass sie wieder einwandfrei tun.

    Die Fotos sehen sehr interessant aus, jetzt interessiert mich, ob die karge Landschaft in ihrer Materialität tatsächlich so farbenfroh ist - hast Du da noch sehr nachgesättigt?

    Und wie hast Du das Licht empfunden?
    Ich finde, hier in Finnland ist das Licht “anders”, das ist mir schonmal vor einigen Jahren in Norwegen aufgefallen und hier nun wieder. Vermutlich der Einfallwinkel, oder?

    Freu mich auf die Fortsetzung!

    Judith

  4. 4 Marco

    Das sind ja echt wunderbare Eindrücke :-) und es scheint ein wirklich interessantes Land zu sein!
    Dann freue ich mich mal auch auf den “Dia”-Abend ;-)
    Jetzt könnte Andi nur noch mal ein freundliches Gesicht machen auf den weiteren Bildern, ich bin gespannt!

    LG Marco

  5. 5 jeannine

    Hallo Judith, die schlechte Laune kam nicht vom beschlagenen Objektiv, es lag einfach am bescheidenen Wetter :) Wir haben auch unterwegs jemanden getroffen, der hatte seine ganze Kamera-Ausrüstung dabei, aber er hat fast keine Fotos gemacht, auch bei schönem Wetter nicht, weil er Angst hatte, dass es zu regnen anfangen könnte. Ich sag mal: Da kann man seine Kamera auch gleich zu Hause lassen.
    Die Fotos sind definitiv nachgesättigt, es war einfach zu schlechtes Wetter, alles sah grau in grau aus auf den Fotos. Aber in natura sind es schon ähnliche Farben, teilweise sehr kräftig. Das Licht war auch anders, zwar konnte man das gerade an diesen ersten Tagen nicht beurteilen, da wir halt schlechtes Wetter hatten, aber später gab es besondere Lichtsituationen. Ist doch aber in den Bergen immer anders oder? War auch damals in Irland so beeindruckend…
    Was machst du eigentlich in Finnland?

    Lieber Marco, das mit dem freundlichen Gesicht kann ich nur bestätigen, aber nach Tag 3 wird es dann besser werden, versprochen :) Dia-Abend ist schon geplant, wahrscheinlich 3.10. Aber wir schreiben noch einmal eine Mail rum! Ich freu mich wenn du dabei bist!

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