Der 3. Tag unserer Wandertour sollte uns an den vielversprechenden Ort Alftavátn (Schwanensee) führen. Nachdem wir in der Hütte eine mehr oder wenige angenehme Nacht hatten, (wir schliefen auf Matratzen unter dem Dach, leider war das Dachgeschoss nicht beheizt und alle hingen ihre nassen triefenden Sachen dort auf, so dass die Luft wirklich unangenehm kalt und feucht war) sind wir am nächsten Morgen wieder relativ zeitig aufgestanden. Leider regnete es wieder, aber immerhin war das Wetter nicht ganz so schlimm wie am Vorabend und es war nicht mehr so stürmisch. Eigentlich wollten wir noch die in der Nähe gelegenen Eishöhlen besuchen, aber die Erfahrung vom Vortag ließ uns die neue Etappe möglichst zügig angehen.
Los gehts….
Ich glaub wir haben alle Felder überquert
Zunächst mussten wir viele Altschneefelder queren, das war an sich nicht weiter schlimm, allerdings ging es ständig bergauf und bergab, so dass der Weg relativ anstrengend war. Meine Schuhe waren an diesem Tag bereits nach einer Stunde wieder vollkommen nass, so dass sich die Trocknungsorgie vom Vortag gelohnt hatte. Die Schneefelder waren teilweise von Flüssen unterspült und schon sehr dünn. Als wäre das nicht schon genug Abenteuer riskierte Andi einen großen Sprung auf einem dieser Felder. Das muss man sich so vorstellen, dass bereits eine Spalte im Schnee geschmolzen war, man konnte den Fluss 3-4 Meter darunter durchfließen sehen. Während ich mich nach einem alternativen Weg umsah, nahm Andi diese Hürde (inklusive des 15 kg Rucksacks). Als ich mich umdrehte wars schon vorbei, es fehlte an der Landestelle ein beachtliches Stück Schnee. Später erzählte er mir, dass das Stück Schnee beim Sprung weggebrochen war und er sich nur mit den Armen hochhangelte. Wahrscheinlich wollte er nur aufschneiden
aber ich war sehr froh, dass nichts weiter passiert ist und ich nicht alleine weiterwandern musste
Unterspülte Schneefelder
Leider war es immer noch relativ kalt und so richtig wollte der Regen auch nicht verschwinden, aber wir kamen gut voran. Noch mehr Schwefelfelder, kleine heiße Bäche und natürlich wunderschöne Ausblicke begleiteten uns auf den nächsten Kilometern. Wir mussten auch weiße Schlammfelder queren, dass war mühselig, besonders beim Aufstieg. Dafür wurden wir gleich im Anschluss mit einem atemberaubenden Blick auf den Alftavátn belohnt. Man konnte sogar schon die Hütte erkennen, wir wussten aber auch, dass es noch ein ganzes Stück bis dorthin war und auch ein steiler Abstieg in einem Flussbett vor uns lag. Mit dem plötzlichen Wechsel der Landschaft wurde doch auch tatsächlich das Wetter schön. Es regnete nicht und die Sonne zeigte sich hinter den Wolken.
Atemberaubender Blick auf den Alftavátn
Könnt ihr den Gletscher sehen?
Ich schlug mich derweil mit einigen Schmerzen herum, weil entweder mein Rucksack falsch eingestellt war und meine Gürtel-Brust-Fototaschen-Kombi am Rücken einschnitt. Im Anschluss an den ca. 1 1/2 stündigen Abstieg legten wir eine längere Pause ein und justierten die ganze Gepäck-Sache. Irgendwie schien die Entfernung zur Hütte nicht kleiner zu werden, dafür wurde allerdings unsere Laune und das Wetter immer besser.
Rückenpause
Die letzten 3-4 Kilometer gingen dann sehr schnell voran, die Vegetation nahm zu und wir hatten ein wunderschönes Panorama vor Augen. Außerdem galt es den ersten Fluss auf der Wanderung zu furten. Wir mussten nach einer geeigneten Stelle suchen und nahmen vorbildlich wie es im Reiseführer steht, nicht die schmalste sondern eine der breiteren Stellen. Mittlerweile hatten wir auch Gesellschaft bekommen, 4 Herren standen vor der gleichen Herausforderung wie wir. Andi war ganz Gentleman und trug meinen Rucksack über den Fluss. Ich probierte an diesem Tag noch nicht meine Super-Neopren-Schuhe von Reno aus, sondern war zu faul und ging barfuß. Und das war ganz schön kalt
Tja und wo ein Fluss ist, gibt es gleich noch viel mehr, der nächste wartete schon. Dieser war allerdings so schmal, dass Andi wieder seine Sprungkraft einsetzte. Ich war feige und wollte nicht springen und weil ich dann irgendwann genervt war, bin ich einfach samt Schuhen durch das Wasser gewatet.
So ein kalter Fluss ist eine Wohltat für die Füße
Fotopause
An der Hütte wurden wir bereits vom Warden empfangen. Der lebt dort während der Saison mit seiner hochschwangeren Frau und einem Kleinkind. So abgelegen, aber direkt am See in den Bergen. Das bewundere ich sehr. Weil wir wieder zeitig losgegangen sind, waren kaum Leute vor uns in der Hütte so dass wir genug Platz und Zeit hatten, um unsere Sachen zum Trocknen aufzuhängen. Nach und nach füllte sich die kleine Hütte und am Abend waren alle Betten voll belegt, von der Decke hingen die Klamotten und der Ofen war von Schuhen belagert.
Warme trockene Schuhe
Wir gönnten uns an diesem Tag eine heiße Dusche und unterhielten uns abends mit Christoph. Der kam aus der anderen Richtung gewandert und erzählte uns, dass er die Tage davor in den Westfjorden verbracht hat. Dort sei er mitten in einen Blizzard geraten. Bereits in Landmannalaugar hatten wir in der heißen Quelle mit einer jungen Frau aus Seattle gesprochen, die 36 Stunden in einer Notunterkunft verbringen musste, weil sie in ebendiesen Schneesturm geraten war.
Jedenfalls schliefen wir an diesem Abend wieder zeitig und glücklich ein und erwarteten für den nächsten Tag ähnlich schönes Wetter.
















sehr schön!
Fotos mag ich sehr und die Geschichte dazu auch.
Lachen musste ich bei “allein weiterwandern müssen” - als ob du das getan hättest.
“Nanu, nu isser weg, muss ich wohl allein weitergehen.”
Köstlich.